Worum geht es?

Wenn drei oder mehr Menschen irgendeine Art von Beziehung pflegen und gemeinsam ein Ziel verfolgen, entsteht ein System. Dies gilt für Familien, für Freunde, für Organisationen und Arbeitskollegen. Wenn solch ein System sich einmal etabliert hat, wirkt es gewöhnlich dauerhaft weiter, auch wenn dies nicht offensichtlich ist.

Handelt es sich um ein geschlossenes System, so funktioniert dieses wahrscheinlich auf der Basis von Leben und Tod, richtig und falsch, und die Atmosphäre ist von Angst bestimmt. Handelt es sich um ein offenes System, so funktioniert es wahrscheinlich auf der Basis von Entwicklung, Vertrautheit und Wahlfreiheit.

Jedes System besteht aus mehreren einzelnen Teilen. Jeder dieser Teile ist wichtig und steht zu allen übrigen Teilen in einer Beziehung, wobei es darum geht, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen; jeder Teil fungiert für die übrigen Teile als Stimulus. Das System hat eine Ordnung und produziert eine Folge bzw. Wirkung, die durch Aktionen, Reaktionen und Interaktionen der einzelnen Teile untereinander bestimmt ist. Dieses ständige Zusammenwirken ist ausschlaggebend dafür, wie das System sich manifestiert. Die Implikationen systemischen Denkens hinsichtlich persönlichen, familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Verhaltens sind heute überall offen- kundig.

Ein funktionierendes System besteht aus folgenden Elementen. EINEM ZWECK ODER ZIEL: - Warum existiert dieses System überhaupt ? WESENTLICHEN TEILEN: d.h. allen Personen, die daran beteiligt sind EINEM UMFASSENDEN REGELWERK über die Aufgabe und Funktion der einzelnen Teile. KRAFT, um die Energie im System zu erhalten, damit die Teile ihre Aufgabe erfüllen können. ARTEN DER INTERAKTION mit der Außenwelt.

Es gibt zwei Arten von Systemen. geschlossene und offene. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Arten ist ihre Reaktion auf sowohl innere als auch äußere Veränderungen. In einem geschlossenen System sind die einzelnen Teile starr mit- einander verbunden oder sie stehen völlig beziehungslos nebeneinander. In beiden Fällen fließt die Information weder zwischen den einzelnen Teilen noch von außen nach innen und umgekehrt. Wenn die Teile nicht miteinander verbunden sind, erwecken sie oft den Eindruck, sie würden ihre Funktion erfüllen. Information sickert nach innen und nach außen, jedoch ohne irgend- eine Orientierung. Es gibt keine klaren Grenzen.

Die Teile eines offenen Systems sind miteinander verbunden, sie reagieren aufeinander und sind sensibel füreinander., außerdem ermöglichen sie den Informationsfluß zwischen der inneren und der äußeren Umgebung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt jedes Systems ist, daß es die Tendenz hat sich selbst zu verewigen. Wenn ein System sich einmal etabliert hat, bleibt es solange gleich, bis es stirbt oder bis es durch irgendetwas verändert wird: ein Teil fällt wegen mangelnder Pflege oder wegen eines Defekts aus, oder ein katastrophales Ereignis wirkt auf das System ein. Manchmal kann schon ein geringfügiger Anlaß ein System völlig aus der Bahn werfen, was ein Zeichen dafür ist, daß der Initiator des Systems die Möglichkeit einer Veränderung völlig ignoriert hat. Kongruente Kommunikation und menschliche Regeln charakterisieren ein offenes System, das allen Beteiligten ermöglicht zu wachsen und sich zu entfalten. Lähmende und schwächende Kommunikation und unmenschliche Regeln kennzeichnen ein geschlossenes System, das die Entwicklung verhindert und das Individuum verbiegt.

Virginia Satir :
Kommunikation
Selbstwert-Kongruenz